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Fast überall wachsen Städte unaufhörlich und sorgen mit ihrem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum für ein immer höheres Frachtaufkommen. In den Metropolen droht der Verkehrsinfarkt. Aber auch in den touristisch geprägten Kleinstädten, bspw. in Mecklenburg-Vorpommern wird der Güterverkehr dann zum Problem, wenn Touristen sich gestört fühlen und wegbleiben, weil Lärm, Gestank und Unsicherheit zunehmen und dadurch die Gefahr droht, dass die Prädikate für die Heilbehandlung (Kur- oder Heilbad) entzogen werden. Die Stadtverwaltungen stehen unter zusätzlichem Druck, die innerstädtische CO2-, Feinstaub- und Lärmbelastung zu reduzieren, um die Klimaziele sowie die Ziele zur Reduzierung der Treibhausgas- und Feinstaubemissionen zu erreichen und zugleich einen störungsfreien Verkehrsfluss zu gewährleisten. Nach den Vorgaben der EU-Kommission hat der innerstädtische Verkehr in Europa 2050 komplett CO2-neutral zu sein. Schon bis 2030 soll eine nahezu emissionsfreie Stadtlogistik erreicht werden.

Güterverkehre machen zwar häufig nur 20 bis 30 Prozent des Stadtverkehrs aus, sorgen aber zu Stoßzeiten immer noch für etwa 80 Prozent der innerstädtischen Staus – die gefürchteten „Moving Bottlenecks“. Hinzu kommt, dass die meisten Transporter im Schnitt nur zur Hälfte beladen sind, wenn sie in die Städte einfahren. Einrichtungen wie Hotels, Krankenhäuser oder Einkaufszentren werden so jeden Tag von vielen, teils halbleeren Transportern angefahren, was zu überfüllten Laderampen und verstärkten Staus führt.

Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Städte, nachhaltige Lösungen für die Transportinfrastruktur zu finden. Was für den Personennahverkehr bereits vielerorts geregelt ist, fehlt für den innerstädtischen Frachtverkehr gänzlich. Mit regulatorischen Maßnahmen allein – einer City-Maut oder Umweltzonen ähnlich – werden die Stadtverwaltungen schnell an ihre Grenzen stoßen. Moderne City-Logistik ist gefragt. Es gilt, den innerstädtischen Güterverkehr durch gezielte Planung und Steuerung im Rahmen einer Ladungskonsolidierung vor den Stadtgrenzen und einem Last-Mile-Transport mit kleinen Fahrzeugen nur zu definierten Tageszeiten effizienter und schadstoffärmer zu gestalten.

Diese Idee ist nicht neu. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit haben sich einige Anbieter bereits in Eigenregie mit ersten Ansätzen versucht, ohne damit aber entscheidende Durchschlagskraft zu erzielen. Dies könnte sich dann drastisch ändern, wenn sich Logistikdienstleister und Stadtverwaltungen untereinander vernetzen und sich auf die Herausforderungen der jeweils anderen Seite einstellen. Stadtverwaltungen haben spezifische Abläufe bei der Auftragsvergabe, spezifische Entscheidungsprozesse und eine spezifische Risikoeinstellung. Diese unterscheiden sich von denen der Logistikdienstleister. Stadtverwaltungen und Logistikdienstleister müssen ihre unterschiedlichen Herangehensweisen verstehen und ihr Vorgehen gegenseitig ausrichten.

Lösungen für die Ladungsvorkonsolidierung beinhalten Ladeumschlagsterminals an den Rändern der Städte als Sammelstelle für die LKW, die Trennung bestimmter Warengruppen, Kommissionierung auf Palettenebene in der Reihenfolge der Auslieferung, ein Standardlabeling sowie ein IT-System für Umschlag, Routenplanung und Abrechnung.

Weiterer wesentlicher Faktor ist die Art der Distribution in die Städte hinein. Sinnvoll ist die Distribution vom Terminal mit kleinen und kleinsten Verkehrsmitteln je nach Transportgut. Dies können Lastenfahrräder, konventionelle Kleintransporter aber auch Elektrotransporter, ja sogar Elektrotrucks für größere Güter sein. Denn bestimmte Güter lassen sich nur mit größeren Fahrzeugen transportieren, für diese müssen dann Container-„Huckepack“-Lösungen entwickelt werden.

Während der Lieferung ist zudem eine Strecken- und Zeitplanung vonnöten, die mithilfe verkehrsbezogener Prognosewerkzeuge, RFID-Tags, GPS-Geräten, Straßensensoren und Barcodes erfolgen kann. Dank Geofencing (Betreten oder Verlassen vordefinierter Zonen) und standortbasierter Zielverfolgung (Tracking) kann die Route in Echtzeit ausgelesen werden und im Falle unerwarteter Unterbrechungen kann diese Stelle umfahren werden.

Um den Erfolg der Konzepte sicherzustellen, müssen die Städte die Rahmenbedingungen schaffen, sprich: Es sind interne Planungsstellen und Kontrollinstanzen einzurichten sowie Flächen für die Konsolidierungszentren zur Verfügung zu stellen. Die Logistikdienstleister wiederum müssen umdenken und in enger Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung, IT-Dienstleistern und Automobilherstellern passgenaue Lösungen für eine effiziente, klimaschonende innerstädtische Güterauslieferung entwickeln. Dafür sind neben neuartigen Betreibermodellen auch vertragliche und somit juristische Belange zu berücksichtigen, um das Konzept auf ein tragfähiges Fundament zu stellen.

Mit solcherart moderner City-Logistik erzielen Städte und Logistikdienstleister eine Reduzierung der CO2-Belastung durch den Güterverkehr um 30 bis 40 Prozent. Dies entspricht Kohlendioxideinsparung von vier bis sechs Millionen Tonnen pro Jahr. Zugleich ließe sich der Verkehrsfluss in vielen Städten um bis zu 40 Prozent optimieren.

Und last but not least: Für Logistikdienstleister entsteht ein ganz neuer Markt mit einem enormen Umsatzpotenzial. Schon heute winken weltweit zusätzliche Einnahmen von rund 24 Milliarden Euro pro Jahr. Auch diese wirtschaftlichen Vorteile, die Unternehmern Anreize bieten, ihre Logistik zu überdenken, werden im Projekt adressiert.

Das Projekt beinhaltet:

  • Planung, Bau und Betrieb eines Güterumschlagsterminals
  • eine Community-Building-Strategie innerhalb von Stadtverwaltung,

Transportunternehmen aller Art und Unternehmern in der Stadt, die auf logistische Dienstleistungen angewiesen sind

  • eine fundierte, rechtssichere Betreiberstrategie
  • rechtssichere Komplettlösungen für die einzelnen Unternehmer vor Ort
  • verkehrliche Lösungen, die tatsächlich zu reduziertem Verkehrsaufkommen und zu verminderten Emissionen führen
  • ein IT-Verkehrsoptimierungskonzept, das auf Echtzeit-Informationen basiert und maßgeblich zu Fahrtenvermeidungen und Emissionseinsparungen führt