road-691127_640ELVIRA verfolgt das Ziel, den sich immer mehr aus dem ländlichen Raum zu rückziehenden öffentlichen Personennahverkehr zu revitalisieren, indem eine innovative Mobilitätslösung als Bindeglied zwischen öffentlichem und privatem Verkehr implementiert wird. Das Mobilitätskonzept basiert auf dem Einsatz hochautomatisch fahrender Elektro-Leichtkraftfahrzeuge, die durch die Nutzer angefordert werden und hochautomatisch und fahrerlos auf einer präparierten Strecke, der iLane, zu diesen fahren. Die ELVIRA-Fahrzeuge befördern den Nutzer automatisch zu dessen Wunschziel, von wo aus sie selbsttätig und fahrerlos zu einer Sammelstelle zurückkehren oder zum nächsten Nutzer fahren. ELVIRA ist als Carsharing-System für den ländlichen Raum geplant, das als Öffentlicher Nahverkehr fungiert. Dabei sollen die Nachteile der bisher getrennten Systeme ÖPNV und motorisiertem Individualverkehr (MIV) beseitigt und deren Vorteile kombiniert werden. Carsharing im städtischen Bereich hat sich schon etabliert, während der Umsetzung von konventionellen Carsharing-Systemen im ländlichen Raum die weitläufige und damit dezentrale Verteilung der Fahrzeuge konzeptionell entgegensteht. Hier setzt ELVIRA an und ermöglicht durch hochautomatisch fahrende Fahrzeuge, dass das Carsharing-Angebot zum Nutzer kommt.

Während die Kosten durch eine effiziente Auslastung kleiner, hochautomatischer Fahrzeuge reduziert werden, bleibt dennoch ein öffentliches Verkehrssystem zur Sicherung der Daseinsvorsorge verfügbar, das ebenso individuell und flexibel einsetzbar ist wie ein eigener PKW.

Die Technologie zum automatischen Fahren ist recht weit entwickelt. Ein System, das in der Öffentlichkeit genutzt wird, muss aber hohe Sicherheitsstandards erfüllen. Hier sehen die Projektverantwortlichen Forschungsbedarf. Dabei ist bei ELVIRA die Reduktion der technischen Komplexität die Projektprämisse. Die rechtliche Situation für automatisiertes Fahren ist neben nationalen Regelungen von internationalen Straßenverkehrsabkommen geprägt. Danach ist fahrerloses Fahren auf öffentlichen Straßen in den Vertragsstaaten, zu denen neben Deutschland und den Ländern der Europäischen Union noch etliche weitere Staaten zählen, noch nicht zulässig. Es zeigt sich jedoch, dass der entgegenstehende Rechtsrahmen sich langsam für das automatische Fahren öffnet. Dennoch wird das Projekt ELVIRA zunächst nicht auf eine grundlegende Änderung der Rechtssituation bauen, sondern durch die Nutzung von Ermessenspielräumen in Ausnahmegenehmigungsvorschriften und Experimentierklauseln, sowie durch Ausweisung eines Modellraums die Implementierung im Reallabor ermöglichen.

Die Akzeptanz von automatischem Fahren ist wesentlich dadurch geprägt, dass die Menschen sich nicht von einer solchen Technik beherrschen lassen wollen. Im Projekt ELVIRA ist daher von Beginn an eine intensive Moderation zur Erlangung der Nutzerakzeptanz vorgesehen und die Implementierung wird mit wissenschaftlichen und regionalen Akteuren intensiv begleitet. Im Projekt soll die Technologie der Fahrzeuge, der Fahrzeugkommunikation und der Infrastruktur (u.a. iLanes) entwickelt bzw. angepasst werden. Weiterhin soll ein Betreibermodell, das sich an ÖPNV-Finanzierung und den Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) orientiert, erarbeitet, sowie die Akzeptanzfindung der Bewohner der Testregion moderiert werden, sodass innerhalb des Testzeitraums eine große Beteiligung zustande kommen kann. Zudem sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen für hochautomatisches Fahren und für den ÖPNV so angewandt werden, dass die derzeit noch vorhandenen rechtlichen Hürden wegfallen.

Hierfür stehen die Projektpartner im engen Kontakt mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem Landesministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Unterstützung bereits angekündigt haben.